Nachrichten

Bitte aktivieren Sie Ihr JavaScript um die Seite vollständig nutzen zu können.
16.05.2017

Fachtag 2017 zum Thema Personenzentrierung und Sozialraumorientierung

Haben Sie schon einmal probiert, mit einem Medizinball Tischtennis zu spielen? Oder mit einem  Basketball Golf zu spielen? In beiden Fällen dürfte der Erfolg auf sich warten lassen… Dass dem so ist, liegt nicht an den jeweiligen Bällen, sondern an den Gegebenheiten, die im Hinblick auf die Fähigkeiten des jeweiligen Balles förderlich oder hinderlich sind. Mit den Bällen ist also alles in bester Ordnung.

Was hat nun diese „Ball-Theorie“ mit dem am 11. Mai im Franziskuswerk stattgefundenen Fachtag zum Thema Personenzentrierung und Sozialraumorientierung zu tun? Im Einstiegsworkshop haben sich die 180 Teilnehmenden genau diese Frage gestellt. Die Antwort wurde anschaulich von Dr. Stefan Doose und Tobias Zahn präsentiert. So wie für die einzelnen Bälle und deren Wirkung der richtige Kontext ausschlaggebend ist, so spielt auch das Umfeld für Teilhabe von Menschen mit Assistenzbedarf eine entscheidende Rolle. Dr. Stefan Doose ist Vorsitzender des Netzwerkes Persönliche Zukunftsplanung e.V. und brachte das Thema 1994/1995 aus den USA mit nach Deutschland. Auch der in der Schweiz lebende Tobias Zahn ist ein Pionier der Persönlichen Zukunftsplanung und mit Moderationen und Workshops im deutschsprachigen Raum unterwegs.

Spätestens zum Jahreswechsel befassen wir uns alle mit der Frage: Welche Ziele setze ich mir für das neue Jahr? Was will ich erreichen? Was will ich anders machen? Nicht selten werfen wir die gute Vorsätze genauso regelmäßig wieder über Bord – weil das Ziel zu weit gesteckt war, oder weil wir merken: allein ist das nicht zu schaffen. Wenn es um eine Neuausrichtung im Beruf geht, oder um einen Wohnortwechsel, machen wir uns schon intensiver Gedanken. Und manchmal brauchen wir dazu ein Coaching oder eine Beratung. Das ist heutzutage völlig normal. Aber wer unterstützt Menschen mit Assistenzbedarf, sich ihre Ziele zu stecken und die ersten Schritte zu deren Erreichung zu unternehmen? Wie kann das gelingen, wenn Menschen sich z.B. nicht so artikulieren können, wie wir das gewohnt sind? Welche Rolle spielen dabei die Beziehungen in die Kommune? Inwieweit haben Menschen mit Assistenzbedarf überhaupt die Chance auf Beziehungen und Kontakte zu „nicht bezahlten“ Menschen? Was wollen und können die Menschen mit Assistenzbedarf  selbst zur Zielerreichung beitragen?

Mit diesen und anderen Fragen setzten sich die teilnehmenden Fach- und Führungskräfte am Nachmittag in einzelnen Workshops auseinander. Dort sprachen die Teams über Kommunikationshilfsmittel oder die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Es gab auch Lebensgeschichten – gespickt mit Erfahrungen der eigenen persönlichen Zukunftsplanung sowie Ideen zur Biografiearbeit mit dem Lebensbuch. In kurzzeitigen Ideenschmieden entstanden Gedanken für erste Schritte, wie Beziehungen ins Umfeld geknüpft werden können, und wie sich Einrichtungen wie das Franziskuswerk noch weiter öffnen können - „von der Einrichtung zu Ausrichtung“.

Positiv gestimmt – mit vielen Ideen, Anregungen und inneren Bildern – gingen die Teilnehmenden an diesem Tag zurück in ihre Arbeitswelten. Der Fokus auf dem Willen der Person, die etwas für sich verändern und erreichen will sowie die Einbeziehung des Umfeldes bei der Umsetzung wird die Gesellschaft – die Kommunen, die Haltung von Mitarbeitenden in der Assistenz  – nachhaltig verändern. Das heißt nicht: jeder und jedem ist alles möglich. Es muss auch zukünftig nicht möglich sein, mit einem Basketball Golf zu spielen. Das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe jedoch steht allen zu. Um bei dem Bild der Bälle zu bleiben: Vielleicht kann neben dem Golfplatz ein Basketballfeld entstehen?