Schönbrunn und seine Geschichte

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Schönbrunn - ein ganz normales Dorf mit einer außergewöhnlichen Geschichte

Schönbrunn gehört zur Gemeinde Röhrmoos, ist aber ein eigenes Dorf mit einer ungewöhnlichen Geschichte. Neben den Schönbrunner Dorfbewohnern beherbergt der Ort eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, das Franziskuswerk Schönbrunn.

In der Mitte des Dorfes steht ein kleines Schloss. Dieses Schloss erwarb im Jahre 1862 eine außergewöhnliche Frau: Gräfin Viktoria von Butler-Haimhausen.

Ihr Ziel: Sie wollte ein Zuhause für alte und pflegebedürftige Frauen schaffen und jungen Frauen und Mädchen aus armen Verhältnissen Erziehung und Ausbildung ermöglichen.

Zu ihrer Unterstützung holte sie sich Frauen einer Schwesterngemeinschaft aus München, aus der sich später die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Schönbrunn entwickelte.

Geschichtlicher Überblick

Gräfin Viktoria von Butler-Haimhausen war eine engagierte Frauenrechtlerin und Sozialreformerin mit besten Kontakten an den bayerischen Königshof.

Die sozial engagierte Gräfin Viktoria von Butler-Haimhausen eröffnete 1861 in Haimhausen ein „Armen-Mädchenhaus“. Diese Institution war aber nur der Ausgangspunkt für ein größeres Vorhaben.

1862 kaufte die Gräfin das stark renovierungsbedürftige Schlossgut Schönbrunn. Sie wollte ein Zuhause für Menschen mit geistiger Behinderung schaffen und jungen Frauen und Mädchen aus armen Verhältnissen Erziehung und Ausbildung ermöglichen. Im August 1863 nahm die Gräfin zusammen mit fünf Frauen einer  Schwesterngemeinschaft aus München die Arbeit in Schönbrunn auf.

1864 wird in Schönbrunn eine Schule gegründet. Einige Jahre später werden alle lernfähigen „Pfleglinge“ in den Elementarfä­chern der Volksschule unterrichtet. In die Schönbrunner Schule gehen auch auswärtige Kinder.

1911 Gründung einer franziskanischen Ordensgemeinschaft nach bischöflichem Recht (Kongregation der Dienerinnen der göttlichen Vorsehung)

1914 - 1918 Die große Landwirtschaft, die zur damaligen „Anstalt Schönbrunn“ gehörte, sichert in Zeiten des Krieges das Überleben der Bewohner/innen und Schwestern.

1920 wird Haus St. Bonifaz gebaut, um die Wohnsituation der betreuten Menschen zu verbessern. Inzwischen werden 475 Menschen in Schönbrunn betreut. Die Schwestern leben seit der Gründung mit den betreuten Menschen nach dem Familienprinzip in verschiedenen Wohngruppen zusammen.

1930-1936 Ausbau der Infrastruktur, der Wasserversorgung und der Straßen. Erweiterung des Elektrizitätswerkes, Neubau der Kirche und drei weiterer Wohngebäude (Häuser St. Vinzenz, St. Maria und St. Isidor). 1936 leben 1.205 Betreute in Schönbrunn.

Auf dem Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sind die Namen aller aus Schönbrunn deportierten Menschen eingebrannt, jeder in einer anderen Schrifttype, um die Einzigartigkeit jedes Menschen zu verdeutlichen.

Während des Nationalsozialismus durchlebte man in Schönbrunn eine furchtbare Zeit, als in den Jahren 1940 bis 1945 einige hundert Bewohner/innen, überwiegend Kinder und Jugendliche, als „lebensunwert“, einer grauenhaften Ideologie zum Opfer fielen. Auf Anordnung des NS-Regimes wurden sie nach Haar verlegt und in Bussen abtransportiert.

1945-1960 Die Nachkriegszeit war geprägt vom wirtschaftlichen Wiederaufbau, insbesondere in der Landwirtschaft. Die Betreuung bekam bis weit in die 60ziger Jahre den Schwerpunkt Pflege.

1960 leben 1.388 betreute Menschen und 373 Schwestern in Schönbrunn.

1960 - 1985 Wandel in der Personalsituation.

Durch die zunehmend rückläufige Schwesternzahl wird es notwendig weltliches Personal einzustellen. Ab 1972 werden Frauen aus der Umgebung zur Mitarbeit in den Wohngruppen eingestellt, ab 1980 auch Fachkräfte wie Heilerziehungspfleger/innen und Erzieher/innen, die seit 1986 gezielt eingestellt werden. 30 Schwestern absolvieren zwischen 1970 und 1980 die Ausbildung in Heilerziehungspflege in Attl.

1970-1974 Bau der Johannes-Neuhäusler-Schule und der Wohnhäuser für Kinder und Jugendliche.  Ab 1980 verändert sich der zu betreuende Personenkreis gerade bei Kindern zunehmend zu schwer mehrfachbehinderten Menschen.

1979 werden die sogenannten „Beschäftigungsgruppen“ für schwerbehinderte Menschen gegründet. Es ist ein Alternativangebot zu dem traditionellen Beschäftigungsangebot in den Schönbrunner Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.

1986  Das Jubiläumsjahr „125 Anstalt Schönbrunn und 75 Jahre Franziskanerinnen von Schönbrunn“ ist  gleichzeitig Beginn einer Neustrukturierung der gesamten Anstalt und der Anfang eines langjährigen Prozesses mit dem Ziel, die Hilfe für Menschen mit Behinderung in Schönbrunn zu differenzieren und zu spezialisieren.

1986 - 1994 Aus dem Gesamtsystem „Anstalt“ gliedern sich nach und nach einzelne Einrichtungen für behinderte Menschen heraus. Es entstehen verschiedene Wohnbereiche, der Kinder und Jugendbereich mit Schule, Heilpädagogischer Tagesstätte und einem Integrationskindergarten, sowie eine Werkstatt für behinderte Menschen und eine Förderstätte.

1990 Gründung der Akademie Schönbrunn und der Fachschule für Heilerziehungspflege in Gut Häusern, um die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter/innen in der Behindertenhilfe zu sichern.

1996 Eröffnung der Berusfachschule für Altenpflege in Gut Häusern. Die damalige Anstalt Schönbrunn entwickelte sich zu einer der größten Einrichtungen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Bayern.

1992 hat die Kongregationsleitung der Franziskanerinnen von Schönbrunn einen Organisationsentwicklungsprozeß eingeleitet, in dessen Verlauf 1994  die Anstalt umbenannt wurde und das „Franziskuswerk Schönbrunn“ mit verschiedenen Einrichtungen der Behindertenhilfe und einer weltlichen Geschäftsführung entstand.

1997 erhält das Franziskuswerk Schönbrunn eine eigene Rechtsform als gemeinnützige GmbH. Zweck der Gesellschaft ist laut Satzung, die „Eingliederung, Pflege, Erziehung, Arbeit und Beschäftigung, Förderung, Betreuung und Entfaltung von Menschen mit Behinderung“.

2000 startet in Gut Häusern die Fachakademie für Heilpädagogik mit ihrem ersten Kurs.

2000 Eröffnung des Seniorenzentrums in Schönbrunn mit einem Freizeit- Bildungs- und Kulturprogramm für Senioren

2001 Eröffnung der Frühförderstelle im Franziskuswerk Schönbrunn

2002 Einweihung der Edith Stein Förderstätte

2002 Das Franziskuswerk übernimmt die Trägerschaft des Burgkindergartens in Röhrmoos

2003 Das Franziskuswerk übernimmt die Trägerschaft des St. Vinzenz Kindergartens in Markt Indersdorf

2004 Einweihung des Heilpädagogischen Kinderhauses

2004 Seit dem Schuljahr 2004/2005 wird eine Klasse der Johannes-Neuhäusler-Schule in der Grundschule Röhrmoos unterrichtet.

2005 Seit dem Schuljahr 2005/2006 wird eine weitere Klasse der Johannes-Neuhäusler-Schule in der Grundschule Hebertshausen unterrichtet.

2006 Das Franziskuswerk übernimmt die Trägerschaft des St. Laurentius Kindergartens in Petershausen

2006 Das Franziskuswerk eröffnet in den integrativen Kindergärten in Schönbrunn und Markt Indersdorf jeweils eine Kinderkrippe

2008 Seit dem Schuljahr 2008/2009 wird eine weitere Klasse der Johannes-Neuhäusler-Schule in der Grund- und Mittelschule Haimhausen unterrichtet.

2010 Bau und Eröffnung von Haus Immanuel, ein Wohnhaus für Menschen mit Autismusspektrum-Störung

2010 Eröffnung des Erweiterungsbaus der Edith-Stein-Förderstätte

2011 Übernahme der Trägerschaft der Kindervilla St. Klara, Dachau

2011 Umbenennung der Prälat-Steininger- in die Viktoria-von-Butler-Straße

2012 Einweihung des neuen Mahnmals für die Opfer des Nazionalsozialismus

2012 Einweihung der neuen Sportstätten der Johannes-Neuhäusler-Schule

2015 Rückbau der landwirtschaftlichen Gebäude

2016 Fertigstellung und Bezug des ersten Bauabschnitts am Raphaelweg 5

2016 Gründung der Viktoria-von-Butler-Stiftung; damit führen die Franziskanerinnen von Schönbrunn ihren Gründungsauftrag in die Zukunft und sichern ihn ab. Hier geht´s zur Homepage der Viktoria-von-Butler-Stiftung.

2016 Übernahme der Trägerschaft für die Dr.-Elisabeth-Bamberger-Schule, Förderschule mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung 

2016 Einweihung des W5-Bürgerhaus, Café & Bistro