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21.06.2013

Christine Haderthauer lobt Franziskuswerk

Beschäftigte in der Werkstatt für behinderte Menschen erklären Christine Haderthauer den genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten Arbeitsplatz.

„Ich glaube, dass Sie Vorreiter sind und dass Sie Benchmarks setzen für ganz Bayern.“ Christine Haderthauer, die bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, zeigte sich zusammen mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath beeindruckt von den Bemühungen des Franziskuswerks, die Herausforderungen der UN-Konvention zu meistern und umzusetzen. „Es ist Allerorten zu spüren, dass es ein Umdenken geben muss in der Gesellschaft im Umgang mit Menschen mit Behinderung. Umso wichtiger ist es, dass diejenigen vor Ort und die Einrichtungen das ihre tun. Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich. Für uns auf Landesebene und in der Staatsregierung ist es wichtig, dass wir von Ihnen lernen. Sie sind die Experten, wenn es um die Umsetzung geht, beispielsweise des bayerischen Aktionsplans, der ja die UN-Konvention auf Bayern überträgt.“

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung stellt Einrichtungen wie das Franziskuswerk vor große Herausforderungen, sagte Markus Tolksdorf zur Begrüßung. Die darin enthaltenen Forderungen seien klar: Menschen mit Behinderung sollen so selbstbestimmt leben können wie möglich, genau wie andere Menschen auch. „Wir stellen uns gegen politische Radikalforderungen wie der Auflösung von großen Einrichtungen, aber auch ein Beharren auf dem Bewährten ist kontraproduktiv. Wir lassen uns durch die UN-Konvention in Frage stellen und haben Antworten zu geben, die den einzelnen Menschen mit Behinderung in den Blick nehmen. Wir müssen sie begleiten, unterstützen und ihnen assistieren, wo immer sie das wollen: in Schönbrunn, in den Gemeinden des Landkreises oder in der  Zukunft vielleicht sogar in München. Deshalb müssen wir alle Entscheidungen, die wir jetzt und in Zukunft treffen, darauf prüfen, ob und wie sie einen Beitrag zur Umsetzung der UN-Konvention leisten.“

Wie schon heute darauf reagiert wird, schilderte im Anschluss Valentin Schmitt, der Leiter Arbeit und Förderung. Ein Konzept seien beispielsweise die ausgelagerten Arbeitsplätze im Landkreis. Dort arbeiten Menschen mit Behinderung in Unternehmen im Landkreis, unterstützt von einer sogenannten Integrationsassistenz, die sie in ihrem Arbeitsalltag begleitet. „Menschen mit Behinderung nehmen so ganz selbstverständlich am Alltag teil und werden sichtbar, einfach nur dadurch, dass sie einer ganz normalen Tätigkeit nachgehen“, sagte Schmitt.

Die Leiterin Wohnen II, Monika Sandor, die für meisten der Wohngemeinschaften des Franziskuswerks in der Region verantwortlich ist, erklärte die Erfolge und Herausforderungen im Wohnbereich: „Menschen mit Behinderung, die aus Schönbrunn auszuziehen und selbstständiger leben wollen, brauchen eine andere Form der Unterstützung als bisher. Wenn die zentrale Infrastruktur wie Wäscherei oder Zentralküche wegfallen und die Leute selber kochen und waschen müssen, dann ist das immer ein Lernprozess, der begleitet werden muss. Auch die Personaleinsatzplanung ist in kleineren Wohneinheiten viel schwieriger als in einem großen Wohnheim. Erschwerend kommt hinzu, dass wir Wohnformen außerhalb von Schönbrunn auch für Menschen mit einer schwereren Behinderung ermöglichen wollen. Barrierefreien Wohnraum zu finden, der z.B. auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist, ist oft nicht einfach.“

Mit der Vision 2030 hat das Franziskuswerk Schönbrunn einen umfassenden Veränderungsprozess angestoßen, um die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Die Konvention wurde 2006 von den Vereinten Nationen verabschiedet und 2009 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert. Sie konkretisiert die Menschenrechte für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung, um ihnen die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu sichern.