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22.02.2018

Franziskuswerk informiert über die Stiftung Anerkennung und Hilfe

Die Geschäftsführung des Franziskuswerks hat rund 200 Menschen mit Behinderung bzw. deren gesetzliche Vertreter über die Stiftung Anerkennung und Hilfe informiert. Die Stiftung wurde für Menschen gegründet, die als Kinder und Jugendliche in der Zeit von 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik bzw. von 1949 bis 1990 in der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie Leid und Unrecht in Form von körperlicher, seelischer oder sexualisierter Gewalt, mangelnder Versorgung, Verweigerung einer Schul- bzw. Berufsausbildung, Kinderarbeit oder Arbeit ohne Entlohnung, erfahren haben.

"Wir begrüßen die Einrichtung der Stiftung Anerkennung und Hilfe und sehen den gerade verschickten Brief mit den wichtigsten Informationen über die Stiftung und über die notwendigen Schritte zur Einleitung der Anmeldung bei den entsprechenden Anlauf- und Beratungsstellen als einen Beitrag zur Aufarbeitung und Unterstützung betroffener Personen. Sie erfahren durch die Stiftung erstmalig eine öffentliche Anerkennung, die Anerkennung durch wissenschaftliche Aufarbeitung und eine individuelle Anerkennung und Hilfe in finanzieller Form", begründet Geschäftsführerin Michaela Streich den Infobrief. "Unsere Nachforschungen im eigenen Haus haben ergeben, dass noch etwa 200 Personen, die im Zeitraum 1949 bis 1975 als Kind oder Jugendliche/r mit Behinderung in der damaligen Anstalt Schönbrunn gelebt haben, noch am Leben sind. Diesen Personenkreis, und darüber hinaus alle Menschen mit Behinderung, möchten wir über die Stiftung informieren. Wir möchten sie ermutigen, sich an die Stiftung Anerkennung und Hilfe zu wenden. Dort wird geprüft, ob ihnen als Kind oder Jugendlicher Leid und Unrecht widerfahren ist und sie deshalb Leistungen der Stiftung in Anspruch nehmen können."

Die Stiftung wurde zum 1. Januar 2017 von Bund, Ländern und Kirchen unter der Trägerschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gegründet und läuft bis Ende 2021. Personen, die während ihrer Unterbringung in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie individuelles Leid und Unrecht erfahren haben und heute noch unter daraus resultierenden Folgewirkungen leiden und/oder Personen, die zwischen dem vollendeten 14.Lebensjahr und dem vollendeten 18. bzw. 21. Lebensjahr in der bzw. für die Einrichtung gearbeitet haben ohne dass für sie Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, können sich bis Ende Dezember 2019 anmelden. Folgewirkungen können körperliche Schäden, Schlafstörungen, Depressionen oder Traumatisierungen sein, Verbitterungs- und Hassgefühle, aber auch eine mangelhafte Schulbildung oder eine frühzeitige Erwerbsunfähigkeit. Betroffene erhalten sodann eine Geldpauschale von 9000 Euro und, sofern zutreffend eine einmalige Rentenersatzleistung in Höhe von 5000 Euro bzw. 3000 Euro abhängig von der Dauer der Beschäftigung.

Für Bayern ist das Zentrum Bayern Familie und Soziales - Bayerisches Landesjugendamt (ZBFS-BLJA), in der Richelstraße 17 in 80634 München, Tel. 089/18966-2500, die zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für Anmeldungen an die Stiftung Anerkennung und Hilfe. Nach einer Schätzung des BMAS könnten bundesweit rund 97.000 Personen anspruchsberechtigt sein.