Nachrichten

Bitte aktivieren Sie Ihr JavaScript um die Seite vollständig nutzen zu können.
27.01.2012

Generaloberin Benigna Sirl: „Getötete Bewohnerinnen und Bewohner dürfen nie vergessen werden.“

In Schönbrunn wurde am bundesweiten Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein neues Mahnmal eingeweiht. Mit einer Feier in der Kirche St. Josef gedachten die Mitarbeiter, Bewohner und Schwestern von Schönbrunn der 546 Bewohnerinnen und Bewohner, die in der Zeit des Nationalsozialismus im Rahmen des Euthanasieprogramms getötet wurden. Im Anschluss daran wurde das Mahnmal, das von dem Benediktiner Thomas Hessler entworfen wurde, von Pfarrer Michael Bartmann eingeweiht. In ihrer Ansprache sagte die Generaloberin der Franziskanerinnen von Schönbrunn, Sr. M. Benigna Sirl: „Das Mahnmal steht an zentraler Stelle in Schönbrunn an der Südseite der Kirche, damit die getöteten Bewohnerinnen und Bewohner immer in unserer Mitte sind und nie vergessen werden.“

 Das Mahnmal greift ein Wort aus dem Johannesevangelium auf: Das Licht leuchtet in der Finsternis. Ein Kreuz, das Sinnbild des Leidens Jesu, ist mit buntem Glas hinterlegt und beleuchtet. Das Licht fließt quasi heraus, womit es zum Zeichen der Erlösung wird. Darunter steht ein Tisch mit einem Kelch und einer Schale, die an das Letzte Abendmahl Jesu, das Mahl des Verrats und der Versöhnung, erinnern. In der christlichen Liturgie wird in jedem Gottesdienst die Eucharistie gefeiert und damit an das letzte Abendmahl Jesu erinnert. Es ist eine Mahnung an die Botschaft Jesu, ein Mahn-Mahl. Auf der Glaswand hinter dem Kreuz sind die Vornamen der 546 Kinder, Jugendlichen, Frauen und Männer eingebrannt. Die Namen haben unterschiedliche Größen und Schrifttypen, um die Einzigartigkeit jeder Person sichtbar zu machen.

 In seiner Ansprache leitete Bruder Thomas Hessler die Idee theologisch her und erläuterte die Umsetzung: „Jesus wurde beim letzten Abendmahl von Judas verraten. Deshalb ist der Tisch ein Zeichen für den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Aber auch der Verrat spielt dort eine Rolle. So wirkt das Zeichen des Mahles in die Gegenwart hinein, damit wir erinnert werden und nicht vergessen.“ Gerade in dem Tisch spiegele sich damit die Geschichte von Schönbrunn in jener Zeit. „Die Namen, die auf der Glasplatte eingebrannt sind, sind wie Sterne: Sie leuchten in der Finsternis und weisen uns den Weg. Sie rufen uns auf, uns für die Freiheit einzusetzen mit unseren Handlungen und unseren Gebeten.“

Jedes Jahr am 27. Januar gedenken das Franziskuswerk und die Franziskanerinnen von Schönbrunn der Opfer des Nationalsozialismus. Bereits seit 25 Jahren hingen an der Südseite der Kirche ein Kreuz und eine Gedenktafel. Die Einweihung des neuen Mahnmales in Schönbrunn ist ein weiterer Schritt zur Versöhnung und Aufarbeitung der Vergangenheit von Schönbrunn. In den vergangenen Jahren wurden die Ereignisse in der Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet, im Oktober 2010 im Rahmen des Schönbrunner Forums der Öffentlichkeit vorgestellt und fanden Eingang in die Schriften des Archivs der Erzdiözese.