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24.02.2014

Klartext: Kommunalpolitik in leichter Sprache

(v.l.) Die Landratskandidaten Stefan Loewl (CSU), Michaela Steiner (Freie Wähler) und Martin Güll (SPD) stellten sich moderiert von Bettina Wagner im Schönbrunner Theatersaal den Fragen der Bürger.

Inklusiver Wahlkampf der Landratskandidaten im Landkreis Dachau

Alle Kandidaten um das Amt des Landrats waren in den Schönbrunner Theatersaal gekommen: Das Thema Inklusion und politische Beteiligung von Menschen mit Behinderung in Bayern scheint allen Parteien im Landkreis Dachau wichtig zu sein. Dabei ging es weniger darum, wie das Problem des gemeinsamen Miteinanders aller Menschen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene gelingen kann. Vielmehr bekamen die Kandidaten handfeste Probleme geschildert und wurden um Lösungsvorschläge gebeten: Warum fahren so wenig Busse nach Schönbrunn? Und wenn, warum gibt es keine Hebebühne für Rollstuhlfahrer? Wo könnten die Kandidaten im Falle einer Wahl Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung im Landratsamt schaffen? Welche Arbeiten könnten an die Werkstatt für behinderte Menschen vergeben werden?

Martin Güll (SPD), Stefan Löwl (CSU) und Michaela Steiner (parteilos, nominiert von den Freien Wählern) gaben sich sichtlich Mühe, in möglichst einfacher Sprache zu antworten. Schließlich sollte es eine inklusive und barrierefreie Veranstaltung sein. Nachdem sich die Kandidaten kurz vorgestellt hatten ging es auch gleich schon mit den Fragen los, die die Bewohnervertretung, der Werkstattrat und der Arbeitskreis politische Bildung des Franziskuswerks erarbeitet hatten. Scheinbar ganz einfach war die erste Frage: Was macht eigentlich ein Landrat? Und schon waren sich die Kandidaten einig und die Themenbereiche vorgeben: Verwaltung, Mobilität, Senioren, Schulen. Michaela Steiner war die Moderation des Kreistages wichtig, Löwl die Ideen und Impulse für die Zukunft. Martin Güll meinte, wenn er Chef des Landkreises wäre, wäre er gerne Ansprechpartner für alle Bürger.

Auch bei den anderen Themenbereichen blieb die Kontroverse aus. Güll, Löwl und Steiner gaben sich Mühe, die Wünsche und Fragen der Gäste zu beantworten. Aus Löwl sprach der Verwaltungsjurist, der mit den Vorgängen im Landratsamt bestens vertraut ist. Güll dagegen konnte mit seiner Politikerfahrung punkten, die er durch sein Landtagsmandat in den letzten 6 Jahren erworben hat. Michaela Steiner gab sich heimatverbunden und betonte, dass man gemeinsam sicher etwas schaffen könne. 

Kontrovers wurde es erst beim Thema dritte Startbahn und bei den Radwegen, bekanntermaßen keine behindertenpolitischen Themen. Geht es also nach den Kandidaten, die trotz Wahlkampfmodus echtes Interesse zeigten, wird sich für Menschen mit Behinderung in den kommenden Jahren auf Landkreisebene einiges bewegen: das Anruf-Sammel-Taxi soll für mehr Mobilität sorgen, die Busse werden durch den MVV-Standard barrierefrei werden, die Kandidaten wollen überprüfen, wo Menschen mit Behinderung im Landratsamt arbeiten können und auch weitere Unternehmen im Landkreis ansprechen. Und auch beim Thema politische Beteiligung könnte sich einiges bewegen: „Laden Sie uns ein, wir kommen gerne. Dann erfahren wir, was Sie brauchen und was Sie bewegt“, ermunterten die Kandidaten einhellig das Publikum. Dem stimmte auch Bezirkstagspräsident Josef Mederer, der ebenfalls zu Gast war, zu.

Claudia Staben-Obst, die Organisatorin der Veranstaltung und im Franziskuswerk für Sozialraumorientierung und Ehrenamt zuständig, war deshalb auch sehr zufrieden mit der gut besuchten Veranstaltung: „Ganz im Sinne der Inklusion hat nicht nur das Publikum der Veranstaltung etwas gelernt. Auch die Politikerhaben durch die Fragen der Menschen aus dem Publikum einiges davon mitgenommen, wie Menschen im Alltag behindert werden.“