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27.01.2016

Schönbrunn gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Die Gedenktafel am Schloss Hartheim, die wie das Mahnmal in Schönbrunn, von Bruder Thomas Hessler OSB gestaltet wurde

Schönbrunn, 27. Januar 2016 - Bei einer Gedenkstunde und einer feierlichen Kranzniederlegung wurde in Schönbrunn im Landkreis Dachau der Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms gedacht. Im Zentrum der diesjährigen Gedenkveranstaltung standen vor allem jene 196 Menschen mit Behinderung aus Schönbrunn, die in der Tötungsanstalt im oberösterreichischen Schloss Hartheim umgekommen sind. Dort hatten die Franziskanerinnen zusammen mit Leitungskräften der Viktoria-von-Butler-Stiftung und des Franziskuswerks im vergangenen November eine Gedenktafel angebracht und eingeweiht. In der Zeit von 1940 bis 1943 wurden insgesamt 546 Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche aus Schönbrunn im Rahmen des sog. T4-Programms von den Nationalsozialisten umgebracht. Ihrer wird im Rahmen des bundesweiten Gedenktages jedes Jahr am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus in Schönbrunn gedacht.

Die Glastafel, die in Hartheim eingeweiht wurde, war auch das zentrale Symbol der diesjährigen Gedenkfeier in Schönbrunn. Sie trägt als zentrales gestalterisches Element die Aufschrift ‚Unwert‘. Der Schriftzug ist unterbrochen durch einen Spalt im Glas, der das Wort in die Silben ‚Un‘ und ‚Wert‘ trennt. Gleichzeitig ist das Wort auf schwarzem Hintergrund ähnlich einem Etikett gesetzt. Das Glas soll die die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens versinnbildlichen. 

In seiner Ansprache griff Markus Holl, Vorstandsmitglied der Viktoria-von-Butler-Stiftung diese Symbolik auf: „Das Vernichtungssystem der Nationalsozialisten fußte auf dem Eingruppieren, dem Etikettieren von Menschen: die Juden, die Krüppel, die Geisteskranken...“ Er stellte mit Blick auf die aktuellen politischen Diskussionen die Frage: „Wo nutzen wir ein Etikett zur Vereinfachung von komplexen Sachverhalten und akzeptieren für uns stillschweigend Vorurteile oder eine Stigmatisierung?“ Zugleich mahnte er an, dass die Erinnerung wach gehalten werden muss: „Die Erinnerung an die Geschehnisse soll jeden Menschen leiten, der unter dem Dach der Viktoria-von-Butler-Stiftung arbeitet, dass es keine Alternative des täglichen, selbstverständlichen Eintretens für die Menschenrechte jedes Einzelnen gibt. Damit ermöglichen wir, dass Menschen mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit Vielfalt gemeinsam leben.“

Im Anschluss legten der Stiftungsvorstand und der Bürgermeister der Gemeinde Röhrmoos, Dieter Kugler, einen Kranz vor dem Mahnmal in Schönbrunn nieder. Das Mahnmal wurde im Jahr 2012 als ein Schritt zur Versöhnung und Aufarbeitung der Vergangenheit in Schönbrunn eingeweiht.