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28.04.2014

Wenn der Uniformierte zum Betreuten wird ...

Der ungewöhnliche Einsatzbefehl für die jungen Beamtinnen und Beamten des 31. Ausbildungsseminars der Bereitschaftspolizei Dachau könnte in etwa gelautet haben: „Begegnen Sie Menschen mit Behinderung auf Augenhöhe. Lassen Sie sich zeigen, wie es sich als Mensch mit Behinderung lebt. Hören Sie zu, was die Leute bewegt, was sie sich wünschen und was sie gerne möchten.“ Der Einstig in diese Aufgabe war dann auch gar nicht schwer, denn Alfred, einer der Beschäftigten der Werkstatt des Franziskuswerks, hat sich schon auf den Tag gefreut: „Ihr kommt jetzt mal mit. Dann zeige ich euch, was ihr tun müsst.“ Schon hat er die zwei Uniformierten im Schlepptau und geht mit ihnen an seinen Arbeitsplatz. Nach einer Stunde fällt er sein Urteil: „Die machen das gar nicht so schlecht, aber ich komme nicht zum arbeiten, weil ich so viel erklären muss.“

Zu erzählen hat er tatsächlich viel, schließlich sind die Polizisten in Ausbildung in Schönbrunn, um mit Menschen mit Behinderung in Kontakt zu kommen. An zwei Tagen waren rund 120 angehende Polizisten zu Gast in den verschiedenen Einrichtungen des Franziskuswerks, 30 weitere besuchten die Caritaswerkstatt in Dachau. Die Idee wurde von Claudia Staben-Obst, zuständig für Sozialraumorientierung im Franziskuswerk, und Walter Strauß, Leiter der Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei, zusammen mit der Caritas entwickelt. Selbstverständlich hat die Polizei ein Interesse daran, die Polizisten im Umgang mit Menschen mit Behinderung zu schulen. „Für uns ist aber auch Persönlichkeitsbildung wichtig und die Entwicklung von Sozialkompetenz. Im Umgang merken die jungen Polizisten, dass zwar manches unterschiedlich ist, dass es aber auch ganz viele Gemeinsamkeiten gibt.“

Für Claudia Staben-Obst ist das Projekt eine klare Win-Win-Situation: „Um Selbstbestimmung und Teilhabe zu realisieren brauchen wir die gesellschaftlichen Akteure, wie z.B. die Polizei. Direkter Kontakt und Begegnung auf Augenhöhe bringen gegenseitiges Verständnis mit sich. Menschen mit Behinderung sind in ihren eigenen Belangen die besten Anwälte. Wenn sie den Polizisten zeigen, wie sie leben und was sie bewegt, ist das besser als jeder Theorieunterricht. Und wer weiß: Vielleicht ergeben sich daraus ja auch Kontakte, die über die Dauer des Projekts hinausgehen.“

Die angehenden Polizisten jedenfalls fühlten sich sofort wohl. „Wir sind hier total nett und offen begrüßt und empfangen worden. Und von der Lebensfreude und dem Spaß, den man auch an kleinen Dingen haben kann, kann man sich gut eine Scheibe abschneiden. Wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch,“ so die einhellige Meinung der Hospitanten. Dennis Wimmer ergänzte das Statement noch: „Ich habe gelernt, dass man nicht unbedingt sofort eine Behinderung erkennt. Das ist im Polizeialltag sehr wichtig.“ Drehte sich um, und war wieder bei „seinen“ Kindern Fußball spielen.