Erfolgreich arbeiten im ambulant begleiteten Wohnen – Fachweiterbildung mit Absc

Kursnummer
9312004
Termin
21.10.2021 — 22.10.2021
Tages-Uhrzeiten
Teil 1: Donnerstag, 21. Oktober 2021, 9.30 bis 17 Uhr, und Freitag, 22. Oktober 2021, 9 bis 16.30 Uhr Teil 2: Donnerstag, 13. Januar 2022, 9.30 bis 17 Uhr, und Freitag, 14. Januar 2022, 9 bis 16.30 Uhr
Anmeldung bis
17.09.2021
Verbindliche Kosten
Kursgebühr € 450,00,– (für FWS Mitarbeiter/innen € 400,00,–), zuzüglich Tagesverpflegung € 33,– / Tag
Ort
Franziskuswerk Schönbrunn - Mehrzweckraum Hs. St. Johannes -
Zielgruppe
Mitarbeiter/innen im ambulant begleiteten Wohnen
Max. Teilnehmerzahl
16

Kursbeschreibung

Das ambulant begleitete Wohnen ermöglicht Menschen mit Assistenzbedarf eine weitgehend selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Teilhabe. Es ist mit seinen Standards und Prinzipien
inzwischen gesellschaftlich eingeführt und gesetzlich verankert. Außerdem eröffnet es Entscheidungsmöglichkeiten und Freiräume, die Menschen mit Behinderungen in stationären Wohneinrichtungen oder familiären Lebenszusammenhängen vorher
so nicht kennengelernt haben und nicht wahrnehmen konnten. Damit die neue Lebenssituation für Menschen mit Assistenzbedarf gewinnbringend und mit mehr Lebensqualität verbunden ist, sind in der Betreuung/Begleitung ein neues Selbstverständnis und spezifsche Kompetenzen der Mitarbeiter erforderlich.
Mögliche Risiken, die für Menschen mit Assistenzbedarf im ambulant begleiteten Wohnen auftreten können, stellen dabei eine weitere Herausforderung dar.

Ziel der Weiterbildung ist es, die Mitarbeiter im ambulant begleiteten Wohnen für diese spezifschen Anforderungen und Aufgaben zu qualifzieren.

Teil 1: Rolle, Anforderungen und Kompetenzen der Mitarbeiter/innen
Vorhandene, bekannte Strukturen, Haltungen und Abläufe aus dem stationären Bereich sind nicht grundsätzlich auf das Angebot ambulanter Hilfen zum selbstständigen Wohnen zu übertragen. Die in der „eigenen Häuslichkeit“ auftretenden besonderen Herausforderungen für den Menschen mit Assistenzbedarf
gilt es zu erkennen und mit ihm zusammen zu meistern: in alltäglichen Lebenssituationen, mit dem Wissen über Leistungen und mit deren Beantragung, in der Begleitung von auftretenden Krisen sowie beim Erkennen von möglichen Grenzen.
In der Face-to-face-Arbeitssituation mit dem Menschen mit Assistenzbedarf sind Mitarbeiter besonders gefordert, ihre Haltungen und ihre Professionalität zu reflektieren, ihre Rolle zu defnieren, Handlungskompetenzen auf- und auszubauen: Je
kompetenter, eigenständiger und professioneller der/die Assistent/in die Beratungs- und Unterstützungsrolle umsetzt, desto erfolgreicher kann der Menschen mit Assistenzbedarf selbstständig wohnen.

Ziele des Seminars
Die Entwicklung
– eines eigenen beruflichen Selbstverständnisses und einer eigenen Rolle
– von Handlungssicherheit und -strategien durch das Wissen um gesetzliche und inhaltliche Grundlagen
– erforderlicher eigener Organisationsstrukturen

Inhalte
Grundlagen
– Gesetzliche Verankerung (BTHG, SGB IX, PSG)
– Zielgruppe
– Leitgedanken: Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft
– Unterschiede ambulant – stationär
– Single-Wohnen oder Wohnen in der WG
– Eigenverantwortete oder anbieterverantwortete WGs
– Mietvertrag und Betreuungsvertrag
Persönlichkeitsprofle
– Anforderungsprofl an den Mitarbeiter im ambulant begleiteten Wohnen entwickeln
– Rollenverständnis und -erwartungen
– Persönliche Stärken und eigene Handlungsstrategien erkennen und optimieren
Stellschrauben für die Gestaltung von Klientenkontakten
– Vernetzung
– Teamarbeit
– Zeitmanagement
– Hilfeplanung managen: Kundenorientierung, Zielformulierung und -erreichung
Auftragsklärung
– Face-to-face-Kontakt
– Beratung, Förderung, Betreuung – Koordinieren
– Beantragung von Leistungen
– Wer macht was: Mitarbeiter im ambulant begleiteten Wohnen und gesetzlicher Betreuer
– Arbeit mit Kontrakten

Die vermittelten Inhalte werden durch Übungen und Praxisbeispiele vertieft.

Teil 2: Möglichkeiten und Grenzen erkennen – besondere Herausforderungen meistern
Nicht selten haben Menschen mit Assistenzbedarf Schwierigkeiten im Umgang mit den neuen Freiheiten im ambulant begleiteten Wohnen und mit der damit verbundenen Verantwortung für sich selbst und für die eigene Wohnsituation. Daraus können unterschiedliche Formen von körperlichen und seelischen Problemen entstehen, wie z.B. Vernachlässigung des
äußeren Erscheinungsbildes, eine chaotische und desorganisierte Wohnsituation, immer wiederkehrende Überforderungssituationen und starke Stressbelastung, depressive Verstimmungen, ein nicht gesundheitsfördernder Lebensstil bis hin zu gesundheitlichem Risikoverhalten und Suchtverhalten, überdies soziale
Ängste, Unsicherheiten sowie nicht unproblematische Verhaltensmuster in der Kontaktaufnahme zum sozialen Umfeld.
Die genannten Schwierigkeiten sollen keine Infragestellung der Prinzipien und Standards des ambulant begleiteten Wohnens darstellen. Vielmehr geht es darum, die Menschen mit Assistenzbedarf im Umgang mit den neuen Freiheiten und Risiken zu unterstützen und zu beraten. Hierzu gehört die genaue Betrachtung der Ressourcen, aber auch der Verhaltensmuster, die zu
problematischen Situationen führen bzw. diese aufrechterhalten. Von Bedeutung ist ebenso die Berücksichtigung des individuellen lebensgeschichtlichen Hintergrundes beim Klienten, der durch eine problematische familiäre Sozialisation geprägt sein kann.

Inhalte
– Was bedeutet Selbstbestimmung?
– Grenzen der persönlichen Freiheit
– Selbstbestimmt lernen und Erfahrungen sammeln
– Selbstbestimmung und die Ethik der Achtsamkeit
– Was ist „Verwahrlosung“?
– Überforderung, Stress und deren Auswirkungen
– Gesundheitliches Risikoverhalten/Suchtverhalten
– Berücksichtigung des persönlichen lebensgeschichtlichen Hintergrundes
– Motivierung des Betroffenen und Kooperation
– Grenzen ziehen, verhandeln, beraten und begleiten, Kontakt halten und loslassen: Wann wird welches Vorgehen gebraucht?
– Soziale Kontaktaufnahme im Umfeld und Klären von Konflikten

Ziele
– Gefahren und Risiken erkennen und damit umgehen
– Reflexion der eigenen Normen und Werte, z.B. zum Thema Selbstbestimmung oder zu Fragen von Ordnung und Sauberkeit
– Verstehen besonderer Verhaltensmuster vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte
– Wahrnehmen und Fördern der sozialen Rolle des Klienten im direkten Umfeld

>>> Bitte beachten Sie, dass sich die ausgewiesene Kursgebühr auf den gesamten Kurs (Teil 1 und 2) bezieht. Dieser ist nur als Gesamtmodul buchbar.

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