Fachtag "Gewaltfreiheit leben – die tägliche Herausforderung" Fachtag Gewaltschutz im Franziskuswerk

Auf einen Blick

Kursnummer
9360044
Termin
10.06.2024 — 10.06.2024
Tages-Uhrzeiten
Montag, 10.06.2024 9:00-17 Uhr
Anmeldung bis
17.05.2024
Verbindliche Kosten
Kursgebühr € 100,00,– (für FWS Mitarbeiter/innen € 100,00,–), zuzüglich Tagesverpflegung € 38,– / Tag
Ort
Franziskuswerk - Theatersaal - Marienplatz 3 - 85244 Schönbrunn
Zielgruppe
Mitarbeitende aus allen Bereichen des Franziskuswerk
Max. Teilnehmerzahl
120

Kursbeschreibung

Jede erfolgreiche Bewältigung einer schwierigen Situation stärkt nachhaltig die Beziehung zwischen den Beteiligten. Aus weniger erfolgreichen Bewältigungen können wir wachsen. Emotionen wie Angst, Druck, Ausweglosigkeit oder Verunsicherung können oft zu Eskalationen führen. Diese Krisen erfordern ein hohes Maß an Sensibilität und professionelles Handeln, insbesondere bei Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Bewältigung solch intensiver emotionaler Krisen stellt eine alltägliche und anspruchsvolle Aufgabe für Mitarbeiter dar. Ziele der Deeskalation sind die Vermeidung von Gefahren, das Aufzeigen alternativer Handlungsmöglichkeiten und die Stärkung der Beziehung zwischen den Beteiligten. Menschen mit besonderen Bedürfnissen erleben durch eine unterstützende Umgebung, dass Beziehungen auch in schwierigen Phasen verlässlich und tragfähig sein können. Gewalt in einer Krise manifestiert sich in akutem und zeitlich begrenztem herausforderndem Verhalten. Eine Unterscheidung zwischen instrumenteller und impulsiver Aggression kann für die eigene Haltung wichtig sein. Die Häufigkeit und Intensität von Krisensituationen nehmen mit steigendem Erregungsniveau zu. Betroffene können in angespannten Situationen zunehmend weniger verbal reagieren, daher ist die Berücksichtigung der eigenen Haltung und die Fähigkeit zur Selbstregulation entscheidend, auch wenn dies die Grenzen der Fachkräfte herausfordern kann.

9-12 Uhr: Vorträge

Vortrag 1: Umgang mit Gewalt in Arbeitskontexten: Dynamik, Spezifika und Deeskalation” (Christian Feuerherd)
Gewalt ist in unserem Arbeitsalltag eine leider allzu häufige Realität, die oft in situativen, eskalierenden und emotional aufgeladenen Krisen auftaucht. Was diese Herausforderung zusätzlich kompliziert, ist die Tatsache, dass wir sie nicht vorhersehen oder in unseren Zeitplan einplanen können. Es fällt uns schwer abzuschätzen, wie lange wir uns mit diesen gefährlichen und bedrohlichen Situationen auseinandersetzen müssen.
Trotz dieser Unvorhersehbarkeit stellt sich die Frage, inwieweit unsere Reaktionsmuster, die Umgebungsfaktoren und unser Wissen über die spezifischen Merkmale der Störung dazu beitragen können, die Situation zu beruhigen und zu deeskalieren. Es ist wichtig zu verstehen, wie die Dynamik von Gewalt funktioniert, welche spezifischen Formen sie annimmt und welche Haltung wir als Individuen und Organisationen dazu einnehmen können.

Vortrag 2: Emotionale Entwicklung bei Menschen mit Intelligenzminderung und Verhaltensauffälligkeiten (Toni Haferburg)
Menschen mit Störungen der Intelligenzentwicklung zeigen oft Verhaltensauffälligkeiten, die auf unerfüllte emotionale Bedürfnisse hinweisen. Welche Bedürfnisse dabei im Vordergrund stehen, ist abhängig vom jeweiligen emotionalen Entwicklungsniveau. Eine klientenzentrierte Betreuung erfordert daher ein Verständnis für diese Bedürfnisse und ihren Entwicklungshintergrund. In diesem Vortrag wird die Anwendung des Schemas der emotionalen Entwicklung (nach Došen, Sappok, Zepfritz) sowie spezifische Herausforderungen im Umgang mit Autismus-Spektrum-Störungen behandelt.

Vortrag 3: Effektive Nachsorge und Risikoanalyse für eine stabile Arbeitsbeziehung (Christian Feuerherd)
Eine verlässliche und strukturierte Nachsorge bei Professionellen und Menschen mit SIE (Störung der Intelligenzentwicklung) im gemeinsamen (Arbeits-)Alltag ist unerlässlich, zur Stabilisierung bzw. Aufrechterhaltung einer tragfähigen Beziehung. Der vorgestellte Ansatz einer Krisenauswertung wurde aus der Praxis des stationären Deeskalationsmanagements abgeleitet, kann jedoch auch in Wohngruppen und Werkstattbereichen erfolgreich angewendet werden. Diese Methode hat sich im Arbeitsalltag als äußerst effizient erwiesen, da sie nicht nur Zeit spart, sondern auch das Deeskalationsmanagement der Mitarbeiter im täglichen Leben schult und zu einem Perspektivenwechsel anregt, indem sie die Notlage und Verzweiflung vieler Betroffener verdeutlicht.
In diesem Rahmen wird auch das Nachsorgekonzept des Franziskuswerk durch die Arbeitsgruppe vorgestellt.

12-13 Uhr: Mittagspause im W5

13-16:30 Uhr: Workshops

(In dieser Zeit finden zwei Workshop-Durchgänge von je 90 Minuten statt. Sie haben also die Möglichkeit, zwei Workshop-Themen zu besuchen. Die Auswahl der Workshops erfolgt am Fachtag vor Ort).

Workshop 1: Prävention und Umgang mit herausforderndem Verhalten bei erwachsenen Menschen mit Intelligenzstörungen (Toni Haferburg)
Mitarbeiter in betreuenden Systemen stoßen regelmäßig an ihre Grenzen, wenn es um das Verhalten von erwachsenen Menschen mit Störung der Intelligenzentwicklung geht. Die Ursachen dieser Verhaltensweisen sind meist komplex und können aufgrund häufig auftretender Defizite in der Kommunikation nur schwer benannt und erkannt werden.

Einrichtungen der Eingliederungshilfe benötigen daher Konzepte, um die Bedürfnisse ihrer Klienten rechtzeitig zu erkennen und ihre Mitarbeiter vor Überlastung und Übergriffen zu schützen.

Im Rahmen dieses Workshops werden folgende Themen behandelt und diskutiert:
Erkennung von Notlagen bei Klienten und Mitarbeitern
Entwicklung pädagogischer Konzepte zur Vorbeugung und zum Umgang mit herausforderndem Verhalten
Koordinierte Nachsorge für Klienten und Mitarbeiter
Nachbesprechung von Krisensituationen

Workshop 2: Fallbesprechungen: Konfliktbewältigung und Prävention von Eskalationen (Christian Feuerherd)
Im Workshop werden die Teilnehmenden ermutigt, eigene Fallbeispiele einzubringen, die dann praxisorientiert analysiert werden. Das Ziel liegt nicht in der Bewertung von vermeintlichem Fehlverhalten, sondern vielmehr darin, alternative Handlungsweisen zu erarbeiten und Konflikte effektiv zu lösen.

Workshop 3: Personelle Gewalt im Spiegel von Macht & Ohnmacht (Dr. Meike Wehmeyer)
Interaktionen mit verbaler oder körperlicher Gewalt sind immer von heftigen Gefühlen sämtlicher Beteiligten begleitet. Das Erleben von Kontrollverlust, Hilflosigkeit und Ohnmacht, aber auch von Herabwürdigung, Bedrohung oder Wut aktiviert Hirnstrukturen, die auf Angriff- oder Fluchtverhalten spezialisiert sind. Für eine Abwendung von Gewalt-Eskalationen und eine entwicklungsförderliche Bewältigung krisenhafter Interaktionen liegt es in der Verantwortung der Mitarbeitenden, sich mit dem eigenen Erleben und Verhalten in Konfliktsituationen auseinanderzusetzen. Der Workshop bietet einen geschützten, achtsamen Raum für eine selbstreflexive Betrachtung von Gewaltspiralen. Er liefert theoretische und praktische Ansätze, wie ein heilsamer Umgang mit eigenen, starken Affekten gelingen kann.

Workshop 4: Gewalt im Alltag: Erkennen, Verstehen, Handeln (Iris Eschenberg-Weiß)
Wo beginnt Gewalt im Alltag und welche Auslöser führen dazu? Braucht es eine Krise, um Gewalt zu erkennen? Wie beeinflusst uns das persönlich und was können wir dagegen tun?
In diesem interaktiven Workshop werden wir gemeinsam diese Fragen beleuchten, Auslöser identifizieren und konkrete Lösungsansätze entwickeln.

Workshop 5: Krisenprävention – Effektive Strategien zur Vermeidung von Krisen und Gewalt” (Felicia Zachskorn)
Ein möglichst präventives Handeln kann unter Umständen die Entstehung von akuten Krisen oder Gewalt verhindern. Hierbei sind Klient*innen oft auf das frühzeitige Agieren und den gezielten Blick von Mitarbeitenden angewiesen. Im Workshop werden vielfältige Methoden und Materialien aus der Praxis vorgestellt und es wird gemeinsam diskutiert, wie eine personenzentrierte Krisenprävention im Alltag gelingen kann.

Workshop 6: Stress- und Wutmanagement (Sonya Anders)
In diesem Workshop werden folgende Themen behandelt:
Verständnis von Stress und Wut: Wir werden die Ursachen sowie die psychologischen, biologischen und neurologischen Mechanismen dieser Emotionen untersuchen. Auch die Auswirkungen von Stress und Wut auf unser Leben sowie präventive Maßnahmen werden besprochen.
Multimodale Ansätze zur Stress- und Wutbewältigung: Wir werden verschiedene Strategien kennenlernen, um den Stress- und Wuterlebnissen entgegenzuwirken. Dazu gehören Selbstreflexion, Entspannungs- und Abgrenzungsübungen.
Selbstregulation vor Co-Regulation: Ein zentraler Fokus liegt darauf, wie wir unsere Emotionen selbst regulieren können, bevor wir auf externe Unterstützung angewiesen sind.
Umdeutung und Reframing stressig wahrgenommener Situationen (Positologie®): Wir werden lernen, stressige Situationen aus einer positiv-selbst-würdigenden Perspektive zu betrachten, indem wir uns auf die Prinzipien der Positiven Psychologie und der Ressourcenorientierung stützen. Dadurch wird es einfacher, mit akut unveränderbaren Situationen umzugehen.

16:45-17 Uhr: Gemeinsamer Abschluss
unter Beteiligung aller Dozierenden, um den Inhalt abzurunden und eine umfassende Zusammenfassung zu bieten.

Dozierende:
Christian Feuerherd, Dipl. Heilpädagoge (FH), Pädagogische Leitung am Berliner Behandlungszentrum für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen im ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge.
Toni Haferburg, Heilpädagoge B.A., Seit 2017 als Heilpädagoge am Berliner Behandlungszentrum für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen im ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge im Bereich für erwachsene Menschen mit mittelgradiger bis schwerster Intelligenzminderung, seit 2021 Deeskalationstrainer nach ProDeMa. Arbeitsschwerpunkte sind dabei der Umgang mit Krisen und Gewalt insbesondere bei Menschen mit Entwicklungsstörungen.
Sonya Anders, Psychologin, Franziskuswerk (Schönbrunn) und eigene Praxis (München), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Begründerin Positologie®, Dozentin Angewandte / Klinische Psychologie und Life Coaching
Iris Eschenberg-Weiß, M.A. Psychologie, Krankenschwester, Systemischer Coach und Organisationsentwicklerin, Mitglied Ethikrat Caritas, ausgebildete Gesprächsbegleiterin nach §132g SGB V, hierfür im Franziskuswerk Schönbrunn freigestellt
Dr. Meike Wehmeyer, Psychologin, Logopädin, Systemische Therapeutin und Supervisorin. Dozentin an der Akademie Schönbrunn (Psychologie, Psychiatrie, Verhaltensstörungen, Kommunikation, Achtsamkeit). Wiss. Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Freiberufliche Supervisionstätigkeit in Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Stv. Vorstandsvorsitzende der Dt. Gesellschaft für Seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung (DGSGB e.V.).
Felicia Zachskorn, Heilerziehungspflegerin, Heilpädagogin, Interner Konsulentendienst Erwachsenenwohnen mit Schnittstelle Arbeit

Dozenten

Christian Feuerherd

Dipl. Heilpädagoge (FH), Pädagogische Leitung am Berliner Behandlungszentrum für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen

Toni Haferburg

Heilpädagoge B.A., Seit 2017 als Heilpädagoge am Berliner Behandlungszentrum für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen im ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge im Bereich für erwachsene Menschen mit mittelgradiger bis schwerster Intelligenzminderung, seit 2021 Deeskalationstrainer nach ProDeMa. Arbeitsschwerpunkte sind dabei der Umgang mit Krisen und Gewalt insbesonderae bei Menschen mit Entwicklungsstörungen.