Psychische Störungen und herausforderndes Verhalten bei Menschen mit intellektueller und Entwicklungsbehinderung – Differentialdiagnostik und Therapie

Auf einen Blick

Kursnummer
9301008
Termin
04.10.2027 — 05.10.2027
Tages-Uhrzeiten
Donnerstag, 4. Oktober 2027, 9.30 bis 17:30 Uhr, und Freitag, 5. Oktober 2027, 9 bis 16 Uhr
Anmeldung bis
03.09.2027 (spätere Anmeldung möglich, sofern Plätze frei sind.)
Verbindliche Kosten
Kursgebühr € 320,– (für FWS Mitarbeiter/innen € 0,–), zuzüglich Tagesverpflegung € 38,– / Tag
Ort
Franziskuswerk - Hs. Johannes MRZ - Raphaelweg 9 - 85244 Schönbrunn
Zielgruppe
Mitarbeiter/innen der Behindertenhilfe und andere Interessierte
Max. Teilnehmerzahl
25

Kursbeschreibung

Menschen mit intellektueller und Entwicklungsbehinderung können sehr unterschiedliche Verhaltensweisen zeigen, die für sie selbst oder ihr Umfeld belastend sein können. Dazu zählen beispielsweise stereotype Bewegungsmuster oder Äußerungen, sozial unangepasstes Verhalten, Rückzug oder auch ausgeprägte aggressive Reaktionen. Für Fachkräfte stellt sich dabei die Frage, welche Funktion ein bestimmtes Verhalten hat und wie darauf angemessen reagiert werden kann.

Darüber hinaus hat dieser Personenkreis ein hohes Risiko psychische Erkrankungen zu entwickeln. Eine professionelle Einschätzung von herausfordernden Verhaltensweisen und psychischen Erkrankungen setzt voraus, dass das Verhalten nicht isoliert betrachtet wird. Vielmehr gilt es, mögliche körperliche, psychische und soziale Einflussfaktoren systematisch zu berücksichtigen. Schmerzen, Erkrankungen, neurologische Besonderheiten, psychische Belastungen, Veränderungen der Lebenssituation oder Kommunikationsprobleme können ebenso eine Rolle spielen wie individuelle Bedürfnisse und der Entwicklungsstand. Eine umfassende Betrachtung bildet die Grundlage für passende Unterstützungs-, Betreuungs- und Behandlungsangebote.

Bei Menschen mit intellektueller und Entwicklungsbehinderung können die Differentialdiagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen und herausforderndem Verhalten keine rein ärztlichen Aufgaben sein. Vielmehr muss alltagsnah und damit zwingend multiprofessionell über verschiedene Lebensbereiche hinweg gearbeitet, eingeschätzt und beobachtet werden.

Der Kurs vermittelt einen praxisorientierten Zugang zur differentialdiagnostischen Einschätzung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Beobachtungen strukturiert eingeordnet und mögliche Ursachen schrittweise überprüft werden können. Thematisiert werden unter anderem körperliche Einflussgrößen wie genetische Besonderheiten. Darüber hinaus werden Hinweise auf psychische Erkrankungen oder eine Autismus-Spektrum-Störung sowie geeignete diagnostische Instrumente und Umgangskonzepte vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Einschätzung des sozioemotionalen Entwicklungsstandes. Die Teilnehmenden lernen, dessen Bedeutung für das Verständnis von Verhalten und die Gestaltung geeigneter Unterstützungsangebote zu berücksichtigen.

Für die praktische Arbeit werden unterschiedliche pädagogische, psychotherapeutische und milieutherapeutische Ansätze behandelt und anhand von Fallbeispielen veranschaulicht. Auch der Einsatz von Medikamenten wird kritisch betrachtet. Dabei geht es insbesondere darum, unter welchen Voraussetzungen eine pharmakologische Behandlung sinnvoll sein kann und welche Chancen und Grenzen damit verbunden sind.

Diese pädagogische Fortbildung vermittelt psychiatrisches Wissen und Zusammenhänge, die bei der Differenzierung von herausforderndem Verhalten, Hinweisen auf psychische Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen unterstützen. Der zweitägige Kurs richtet sich insbesondere an Mitarbeitende der Behindertenhilfe, die Menschen mit herausforderndem Verhalten begleiten. Er bietet einen praxisnahen Einstieg in die komplexen Zusammenhänge von Verhalten, psychischer Gesundheit und Diagnostik und ermöglicht zugleich, vorhandene Kenntnisse zu vertiefen und für die tägliche Arbeit nutzbar zu machen.

Dozenten

Maria Schmidt

Klinische Heilpädagogin M.A., Psychiatrische Institutsambulanz am Behandlungszentrum für psychische Gesundheit bei Entwicklungsstörungen, Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, Berlin