Keine exklusive Impfpflicht für Pflegeberufe

Offener Brief an Ministerpräsident Markus Söder

Schönbrunn, 30. November 2021 – Die beiden Geschäftsführer des Franziskuswerks Schönbrunn lehnen eine exklusive Impfpflicht für besondere Berufsgruppen ab und richten einen Appell in Form eines Offenen Briefes an Ministerpräsident Markus Söder, sich für eine Impfpflicht für alle einzusetzen, falls eine Impfpflicht beschlossen werden sollte. Hier der Wortlaut des Offenen Briefes:

Offener Brief: Keine exklusive Impfpflicht für Pflegeberufe!

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

wir unterstützen Ihre Bemühungen, die Impfquote der Bürger:innen zu erhöhen, um die Corona-Pandemie endlich hinter uns zu lassen. Ihr Ziel, vor allem alte, pflegebedürftige und behinderte Menschen vor einer schwerwiegenden Erkrankung zu schützen, unterstützen wir voll und ganz.

Als Einrichtung für Menschen mit geistigen und schwer-mehrfachen Behinderungen sind wir uns dabei unserer besonderen Verantwortung bewusst.
Unsere 1.600 Mitarbeiter:innen beweisen dies in ihrem täglich praktizierten Selbstverständnis von Pflege und Begleitung unserer Bewohnerinnen und Bewohner und
mit herausragendem Engagement – nicht erst seit Pandemiezeiten. Für einen Großteil unserer Mitarbeiter:innen war es selbstverständlich, sich impfen zu lassen.

Wir verfolgen aufmerksam die Diskussion um eine Impfpflicht und die anstehende Entscheidung darüber. Sie selbst haben sich zuletzt für eine allgemeine Impfpflicht
ausgesprochen. Jedoch wird derzeit von der zukünftigen Bundesregierung und einer Vielzahl der Ministerpräsident:innen eine Impfpflicht für besondere Berufsgruppen favorisiert.

Wir lehnen eine solche exklusive Impfpflicht eindeutig ab!

In unseren Augen sendet eine Impfpflicht, die sich auf die Beschäftigten in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen beschränkt, ein falsches Signal. Die Sorge und der aktive Schutz vulnerabler Mitbürger:innen ist die Aufgabe Aller und nicht Einzelner. So wie die Pandemie alle betrifft, ist auch die Solidarität aller gefragt.

Eine auf die Pflege beschränkte Impfpflicht ist der gewohnte Reflex, sich als Gesellschaft von der Gemeinschaftsaufgabe in der Fürsorge für alte, kranke und behinderte Menschen zu entledigen und an eine „Expertengruppe“ weg zu delegieren.

Eine exklusive Impfpflicht konterkariert die gerne und viel zu oft leichtfertig beschworene Inklusion aufs Neue.

Deshalb fordern wir: Wenn Impfpflicht, dann im Sinne einer inklusiven Solidargemeinschaft eine (auf die Zeit der Pandemie befristete) Impfpflicht für alle!

Wir bitten Sie dringend, sich auf Bundes- und Landesebene für unser Anliegen einzusetzen.

Freundliche Grüße

Michaela Streich und Markus Holl
Geschäftsführer

Zur persönlichen Kenntnisnahme an:
Frau Staatsministerin Carolina Trautner
Herrn Staatsminister Klaus Holetschek
Herrn Staatsminister Dr. Florian Herrmann
Herrn Thomas Kreuzer, Fraktionsvorsitzender
Frau Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende
Herrn Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender
Herrn Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender
Herrn Florian von Brunn, Fraktionsvorsitzender
Herrn Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege
Herrn Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer
Herrn Landrat Stefan Löwl
Frau Susanne Breit-Kessler, Bayerischer Ethikrat
Herrn Prof. Dr. Armin Nassehi, Bayerischer Ethikrat