Distanzunterricht an der JNS

Eine Veröffentlichung der Dachauer Nachrichten:

Schönbrunn, 22. Februar 2021 – Der Distanzunterricht nimmt auch in der Johannes-Neuhäusler-Schule in Schönbrunn für die dort unterrichteten 145 Schüler breiten Raum ein. Dass es in diesem Förderzentrum für geistige Entwicklung mit dieser Art von Unterricht so gut läuft, freut Schulleiterin Annette Mayrhofer besonders.

Das liege auch daran, dass die Schüler von ihren Eltern viel Unterstützung erfahren. Mayrhofer macht kein Hehl daraus, dass es während des ersten Lockdowns schon noch so manche Probleme gab. „Jetzt, im zweiten Lockdown, sieht es aber schon ganz anders aus, und das muss man einfach auch einmal positiv herausstellen, bei allem Frust aufgrund mangelnder Planbarkeit und zum Teil nicht durchgängig gut funktionierender Technik“, unterstreicht Mayrhofer. Die ganze Schulfamilie habe mittlerweile gelernt, dass Distanzunterricht auch an einem Förderzentrum wie in Schönbrunn möglich ist, größtenteils sogar sehr gut, und auch noch richtig Spaß machen kann. Man könne dennoch nicht oft genug betonen, dass Präsenzunterricht unverzichtbar und unersetzlich ist.

„Schule funktioniert nur wirklich gut durch und mit realen Begegnungen. Sie lebt von persönlichen Beziehungen“, sagt Mayrhofer. Positive Rückmeldungen aus dem Elternbeirat und von vielen Eltern  zeigten, dass man auf einem guten Weg ist. Die Schulleiterin berichtet von Höhepunkten aus der Distanz-Praxis (der übliche Unterricht läuft über zahlreiche Video-Konferenzen, Telefo-naten, Materialpaketen, Padlets, Erklärvideos und  individuellen Wochen- und Tageslernplänen): „Schon vor  Weihnachten wurde mit den Schülerinnen und Schülern ein Video gedreht, um pünktlich nach den Ferien ein Sternsinger-Video  präsentieren zu können, um die eigentliche Haussegnung der Schulräume digital stattfinden und der gesamten Schulfamilie Segenswünsche für das neue Jahr zukommen zu lassen.“

Mayrhofer berichtet auch von einem Kollegen, der täglich mit einer Startvideo-Konferenz beginnt, seinen Morgenkreis mit den Schülern durchführt, die Schüler anschließend individuell mit Arbeitsaufträgen versorgt, die Brotzeitpause mit seinen Schülern im Klassenverband online verbringt und nach kurzer Zeit festgestellt hat, dass es nach der Lernphase im Anschluss an die Brotzeitpause unbedingt noch eine Reflexionskonferenz am Ende im Plenum geben müsse. Anderenfalls seien die Schüler weniger produktiv. So aber präsentierten sie stolz ihre erarbeiteten Ergebnisse.

Auch die Schüler der Notbetreuungsgruppen nehmen ganz selbstverständlich an Konferenzen teil und werden in ihren Klassenverband einbezogen. Die Selbstständigkeit im Umgang mit digitalen Medien sei mittlerweile so hoch, dass sich die Schüler teilweise nur noch ein Tablet abholen und es nach der Video-Konferenz wieder abgeben. „Da kann man nur staunen“, sagt Mayrhofer.

Es gibt auch Kollegen, die ihr Material selbst ausfahren und sich am Küchenfenster mit ihren Schülern verabreden. So sieht man sich kurz, kann etwas erklären und aufeinander freuen. Und für die ganz kleinen Schüler zieht auch schon mal die beliebte Handpuppe Mommel aus dem Leselehrgang zu Hause bei der Lehrerin ein. ln der Berufsschulstufe haben sich drei Klassen zusammengeschlossen. Neben gemeinsamen Unterrichtsstunden trifft man sich zweimal pro Woche auf dem Pausenhof.

Die Schüler haben hier Gelegenheit, sich  auszutauschen und soziale Kontakte zu pflegen. Ein anderer Kollege setzt den Unterricht im Fach „Ernährung und Soziales“ per Videoschaltung praktisch um. Die Teilnehmer suchen Obst zusammen, das im Haus zu finden ist, und gemeinsam wird ein Obstsalat zubereitet und vor der Kamera  verzehrt.

Manche Lehrer holen sich auch noch von außerhalb Lernpartner ins virtuelle Klassenzimmer. Sogar eine online durchgeführte zahnärztliche Gruppenprophylaxe sei problemlos möglich gewesen, so Mayrhofer. Und auch der traditionelle Schulfasching musste nicht ausfallen. Gespannt warteten da die Schüler darauf, ob sie die hinter dem Faschingsmaskenthema „Haustiere“ versteckten Mitschüler und Lehrer erkennen können.

Mayrhofer: „Trotz all dieser schönen Anekdoten und  Berichten, die uns immer wieder Kraft geben und bestärken, dass wir auf dem Weg des zunächst so abstrakt wirkenden Distanzunterrichts schon so ein großes Stück weitergekommen sind, wünschen wir uns nichts mehr, als wieder gemeinsam und unbeschwert im Schulhaus zu sein.“

Josef Ostermair