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06.04.2016

Franziskuswerk zu freiheitseinschränkenden Maßnahmen im Kinder und Jugendbereich

Stellungnahme des Franziskuswerks Schönbrunn zur Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks

Gestern widmete sich der Bayerische Rundfunk auf allen seinen Kanälen einem schwierigen und kontroversen Thema: Freiheitseinschränke Maßnahmen bei Kinder und Jugendlichen. Auch das Franziskuswerk Schönbrunn wurde im Zuge der Recherchen befragt und gab den Journalistinnen Auskunft. 

Die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks war wenig differenziert und wurde dem komplexen Thema in keiner Weise gerecht. Mit dem Ton der Beiträge und Berichte wurde außerdem die gute, wertvolle und erfolgreiche Arbeit vieler Kolleginnen und Kollegen im Bereich der Wohnheime für Kinder und Jugendliche in Misskredit gebracht. Die komplexen Herausforderungen des Gruppenalltags von Kindern mit intensiv-therapeutischem Betreuungsbedarf wurden in keiner Weise objektiv und angemessen dargestellt.

Fakt ist: Freiheitsbeschränkende Maßnahmen stellen einen rechtlichen Graubereich dar und werden in den Einrichtungen sehr unterschiedlich gehandhabt. Es besteht ein wichtiger Unterschied zwischen freiheitseinschränkenden Maßnahmen, denen nur die Eltern zustimmen müssen und die in der Berichterstattung in der Kritik stehen, und freiheitsentziehenden Maßnahmen, die von einem Richter angeordnet werden müssen. Was eine freiheitsentziehende, was eine -beschränkende Maßnahme ist, liegt in der Regel im Ermessen eines Richters. Die Trennung zwischen diesen Maßnahmen findet in der Berichterstattung nicht statt.

Wir im Franziskuswerk legen großen Wert darauf, dass freiheitseinschränkende Maßnahmen die absolute Ausnahme sind, die nur auf dringende Empfehlung  im Anschluss an  eine stationären Behandlung in einer Klinik und gleichzeitiger Absprache mit den Eltern eingesetzt werden. In solchen Fällen wird vor Umsetzung der Maßnahme der ärztliche Bericht, eine genaue Planung der Durchführung und die entsprechende Dokumentationsgrundlage dem Richter zur Kenntnisnahme und zur Entscheidung einer Genehmigung vorgelegt. Einen Time-Out-Raum haben wir im Kinder-und-Jugend-Bereich nicht. Eine Individualbegleitung sehen wir als die deutlich wirksamere Maßnahme an. Deshalb wir uns in der Vergangenheit erfolgreich um die Kostenübernahme entsprechender  Individualbegleitungen bemüht. Diese erfolgte jeweils zeitlich befristet und erhöhte die Lebensqualität der betroffenen Jugendlichen erheblich.

Im Beitrag wird die Forderung gestellt, dass freiheitseinschränkende Maßnahmen, vergleichbar der Rechtsprechung bei Erwachsenen, unter Richtervorbehalt stehen und mehr Geld für pädagogisches Personal zur Verfügung gestellt wird. Diese Forderungen können wir, wie die großen Sozialverbände auch, nur unterstützen. Damit wird zum Wohl der Kinder und Jugendlichen ein rechtlicher Graubereich beseitigt, eine Verbesserung der Lebensqualität Betroffener durch angemessene Förderung und Betreuung ermöglicht und die Eltern entlastet

Im Zuge der Recherchen zu den Beiträgen des BR wurde auch das Franziskuswerk Schönbrunn befragt. Auf die Fragen sind wir nicht konkret eingegangen. Hier haben wir eine Fürsorgepflicht für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen und geben deswegen keine detaillierten Informationen zu Personen und Therapien. Außerdem waren die Fragen so gestellt, dass daraus ersichtlich wurde, dass „die Story“ bereits fertig war (den Fragenkatalog finden Sie am Ende dieser Information). Stattdessen haben wir dem Bayerischen Rundfunk folgendes Statement übermittelt:

„Vielen Dank für Ihr Interesse am Wohl der beim Franziskuswerk Schönbrunn betreuten Kinder und Jugendlichen. Die Entwicklung und Förderung der Kinder, die in unseren Einrichtungen wohnen, steht bei uns immer an erster Stelle. Ihre Begleitung und Förderung geschieht nach dem Prinzip des Personenzentrierten Denkens, die das Kind und den Jugendlichen in den Mittelpunkt aller pädagogischen Überlegungen stellt. Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern der Kinder ist dafür die wichtigste Voraussetzung. Sollte in seltenen Einzelfällen eine Klinik oder ein Richter eine freiheitsbeschränkende  oder –entziehende Maßnahme empfehlen bzw. anordnen, werden diese nach sorgfältiger Abwägung aller Alternativen in enger Abstimmung mit den Eltern anschließend nur so lange wie unbedingt nötig durchgeführt. Unsere pädagogischen Prinzipien sehen vor, die im Vorfeld sorgfältig geprüften Maßnahmen in sehr kurzen Intervallen zu evaluieren und neu zu bewerten, um sie zum Wohl der Kinder zu reduzieren. Auskünfte zu Einzelfällen und Diagnosen können wir zum Schutz der Kinder nicht geben. Seien Sie versichert, dass jeder Einzelfall von uns geprüft und bewertet wird, um die bei uns betreuten Kinder und Jugendlichen bestmöglich begleiten und fördern zu können.“

Inhaltlich wurde daraus vom Bayerischen Fernsehen übernommen: Ja, das Franziskuswerk wendet freiheiteinschränkende Maßnahmen an. Dies ist eine völlig undifferenzierte Wiedergabe unserer Stellungnahme und wird dem Thema auch in keiner Weise gerecht.